Read Grenzlandtage by Antonia Michaelis Peer Martin Online

grenzlandtage

Zwei Wochen Ferien auf der winzigen griechischen Insel liegen vor Jule. Das Meer ist blau, die Nächte sternenklar. Alles scheint perfekt. Bis Jule den Jungen mit den verbundenen Händen trifft und begreift, wer er und die anderen sind, die im Verborgenen leben. Jules Welt gerät aus den Fugen. Denn das Meer ist ein Grab, die Nächte sind kalt und das Dorf ein Ort des MisstrauZwei Wochen Ferien auf der winzigen griechischen Insel liegen vor Jule. Das Meer ist blau, die Nächte sternenklar. Alles scheint perfekt. Bis Jule den Jungen mit den verbundenen Händen trifft und begreift, wer er und die anderen sind, die im Verborgenen leben. Jules Welt gerät aus den Fugen. Denn das Meer ist ein Grab, die Nächte sind kalt und das Dorf ein Ort des Misstrauens. Und quer durch die Wellen läuft eine Grenze, die niemand sieht. Eine tödliche Grenze....

Title : Grenzlandtage
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ISBN : 9783841504692
Format Type : Paperback
Number of Pages : 471 Pages
Status : Available For Download
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Grenzlandtage Reviews

  • JokerTheCat
    2019-01-23 02:48

    Bisher hat Grenzlandtage von Antonia Michaelis und Peer Martin größtenteils eher hohe Bewertungen - was ich toll finde, denn das Buch behandelt ein sehr aktuelles und wichtiges Thema und ich freue mich grundsätzlich immer, wenn jemand ein schönes Leseerlebnis hatte. Meine Rezension wird dagegen ziemlich kritisch sein, denn ich werde vor allem die Punkte ansprechen, die mich gestört haben und zu denen ich was los werden will. Dabei handelt es sich natürlich nur um meine bescheidene und rein subjektive Meinung.  Erstmal zur Story:Jule macht spontan alleine Urlaub in Griechenland, denn ihre beste Freundin Evelyn, die sie eigentlich begleiten sollte, liegt im Krankenhaus. Noch vor der Haupt-Touri-Zeit möchte sich Jule auf's Lernen und auf sich selbst konzentrieren. Asman dagegen ist Flüchtling und wollte eigentlich nach Italien, um von dort bis nach Schweden zu kommen. Fälschlicherweise landet er mit den anderen Flüchtlingen nach einem Schiffbruch in Griechenland und dort verstecken sie sich nun.   Jule und Asman treffen aufeinander und verlieben sich. Ich war sehr gespannt auf Grenzlandtage, die ganze Flüchtlingsthematik und natürlich die Liebesgeschichte. Doch grade Letztere war leider nichts für mich. Am besten ich nummeriere meine Kritikpunkte, das ist einfacher für mich und auch angenehmer zu lesen: Nummer 1: Der Schreibstil. Das der ein bisschen simpel (kurze Sätze) war hat mich nicht so sehr gestört, denn immerhin handelt es sich hierbei ja um ein Jugendbuch. Genervt hat mich allerdings dieses krampfhaft Poetische. Die blumigen Beschreibungen und das Abdriften in Fantasiewelten haben mich teilweise schon sehr an Der Märchenerzähler erinnert. Dort mochte ich das zwar (im Gegensatz zu anderen Dingen, die das Buch für mich zur Katastrophe gemacht haben), aber in dieser Geschichte wirkte es irgendwie unpassend. Richtig schlimm fand ich die ständigen deutschen Wiederholungen jedes noch so kleinen englisch gesprochen Satzes. Hier mal zwei Beispiele: "(...) und dann sagte jemand hinter ihr: 'To the left.' Links lang." "Asman nickte. 'Makes sense.' Ergibt Sinn."Ich hätte es schöner gefunden, wenn man entweder bei deutsch geblieben wäre und einfach einmal darauf hingewiesen hätte, dass die Unterhaltung grade auf englisch stattfindet (passiert ja dann im Großteil auch, es tauchen aber immer wieder diese Sätze auf) - oder man hätte es bei englisch belassen und zwar ohne zusätzliche Übersetzung. Mal ehrlich, wir können doch mittlerweile fast alle englisch und selbst die, die es nicht so gut können, hätten hier keine Probleme. Dieses Doppelgemoppel fand ich einfach unnötig. Nummer 2: Der Hyperfokus auf Optik.Einfach alle sind wahnsinnig attraktiv und gutaussehend, Asman sieht (trotz Verletzungen und/oder kaputter Klamotten) gut aus, Hassan ist der "bestaussehendste Mann, den Jule je gesehen hat" und Naime ist bildschön, beinahe "wie aus einem Film". Die Flüchtlingskinder werden von Jule "Feenkinder" genannt, ihre Augen von Asman "Glasperlenaugen" und überhaupt wird alles sehr romantisiert und ästhetisiert: Die Landschaft, die Menschen, die Schmerzen, das Leid. Nummer 3: Jule.Mit ihr konnte ich leider gar nicht. Sie wirkte schon kurz nach ihrer Ankunft plötzlich sehr melancholisch, manchmal regelrecht unglücklich, und ich hatte einfach keine Ahnung, warum, denn das war noch bevor sie sich überhaupt mit der Flüchtlingsthematik auseinander gesetzt hatte. Sie kommt aus guten Verhältnissen, hat Eltern, die ihr offenbar alles erlauben, eine super beste Freundin und war ganz am Anfang auch noch guter Dinge... ich hab's ehrlich gesagt nicht ganz verstanden. Hinzu kommt, dass Jule extrem naiv ist. Und zwar so naiv, dass es wirklich schon an Dummheit grenzt. Sie kann null reflektieren, wirkt sehr kindlich, ist viel zu vertrauensselig, verliebt sich innerhalb von Sekunden unsterblich, trifft grade gegen Ende des Buches fürchterliche und nicht nachvollziehbare Entscheidungen und eigentlich müsste man sie vor sich selbst schützen (also wie Anna im Märchenerzähler). Dass ihre Eltern sie alleine in den Urlaub gelassen haben, war auf jeden fall sehr mutig. Nummer 4: Die Konflikte.Die Autoren sind hier sehr vorsichtig gewesen. Nicht zu viel Religion, keine tiefergreifenden Gespräche über Sexismus oder Weltbilder. All das wird zwar nicht komplett ausgelassen, reicht aber lediglich für ein kleines Streitgespräch oder kurze Gedankengänge. Nummer 5: Die Liebesgeschichte (Spoiler).Für mich der unrealistischste Part des ganzen Buches. Nicht nur, dass es sich um Insta-Love par excellence handelt und alles extrem schnell geht, Asman hat auch kaum Probleme mit westlichen Werten - und damit, mit Jule zu schlafen. Es ist ihr erstes mal und bei der ganzen Szene war mir irgendwie so super unwohl, dass ich näher darauf eingehen muss. Erstmal dieser (wohl leider realistische) Satz von Asman: "Bei uns tun Mädchen das hier erst, wenn sie verheiratet sind. (...) Es gibt andere Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln... für Männer. Verstehst du? Frauen, die Geld dafür nehmen. Das sind die Erfahrungen, die ich habe. Das ist es, was wir tun." Kotz-Würg! Nicht wegen der anderen Frauen, aber wegen der fürchterlichen Doppelmoral und der grässlichen Einschränkung der Frauen und ihrer Sexualität. Wie gesagt, leider sehr realistisch und ich werde es nie verstehen! Jule scheint das aber egal zu sein. Als sie ihn dann fragt, wie alt er denn eigentlich sei, antwortet er: "Ist das wichtig? (...) Was Frauen fragen! Gut, zweiundzwanzig. Zufrieden?" Ja, so eine dumme Frage! Wer will denn bitte vor dem (ersten) Sex das Alter oder gar etwas anderes Unwichtiges, wie z.B. den Namen des Partners, wissen? (Sarkasmus. Wisst ihr ja. ;) Jule ist übrigens 17.) Dann geht es so langsam los und es passiert Folgendes: "Sie wandte den Kopf und sah den See an, lag ganz still, ließ ihn machen, aber lange tat er nichts weiter als zu tasten."Sie guckt also weg und liegt absolut passiv da, während er sie anfasst. Na, Glückwunsch. Die beiden schlafen nun also miteinander und zwischendrin driftet die Szene sprachlich immer wieder ins Poetische und fast schon Surreale. Und jetzt kommt's. Jule etwas später: "Ich habe vergessen zu rechnen. (...) Es wäre wahrscheinlich schlau gewesen, ein... Kondom zu benutzen."Äh. What. Darüber macht sie sich  jetzt Gedanken? Danach? Das ist dermaßen Verantwortungslos und naiv (hier haben wir's wieder), dass mir die Worte fehlen. Und von ungewollten Schwangerschaften mal abgesehen, was ist denn bitte mit Geschlechtskrankheiten?! Immerhin hat Asman kurz zuvor noch erzählt, wie seine sexuelle Vergangenheit so aussieht. Im Endeffekt hatte er zwar doch ein Kondom dabei und dieses auch benutzt (ohne das Jule etwas davon bemerkt hat), aber holy f***, wie gedankenlos kann man eigentlich sein? Fazit:Insgesamt hat mir Grenzlandtage aber trotz allem ganz gut gefallen, grade weil ich das Flüchtlingsthema wichtig und an dieser Stelle gut beleuchtet finde. Die Ängste und Sorgen, die Behördenprobleme, die Vorurteile... alles glaubhaft umgesetzt (auch wenn mir die blumige Sprache nicht immer zugesagt hat). Ehrlich gesagt hätte ich das Buch ohne die am Liebesrad drehende Jule noch viel besser gefunden, also einfach Asman und seine Geschichte.  Ich wollte trotzdem unbedingt wissen, wie das alles ausgeht, Spannung war also da und ich spreche trotz aller Kritik eine Leseempfehlung aus! PS: Zum Abschluss noch ein letztes Zitat und mein Senf dazu: "Männer, die weinen, dachte sie, waren wirklich beunruhigend."Nö. Sie sind Menschen und auch ihnen stehen Emotionen zu. Sie dürfen weinen, sich anlehnen und müssen nicht immer stark sein.

  • Booklunatic
    2019-02-11 05:55

    Wow, mal wieder. Aber bei der Autoren-Kombi konnte das auch nur großartig werden! Mehr nach Erscheinen Ende der Woche.EDIT 10.12.16: Das Buch ist inzwischen erhältlich - bitte geht los und kauft es, lest es, verschenkt es! Ein mitreißendes, zeitweise erschütterndes, aber auch wirklich sprachlich schönes und spannendes Buch. Ein Lehrstück in Menschlichkeit (aber ohne erhobenen Zeigefinger, keine Sorge), das nachdenklich macht und bestimmt keinen Leser kaltlässt.

  • Jacqueline
    2019-01-31 03:41

    Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, ich habe schon einige Bücher von Peer Martin gelesen und war jedesmal wieder begeistert mit welches Intensität er schreibt. Das gleiche gilt für Antonia Michaelis, auch ihre Bücher sind für mich immer etwas ganz besonderes. Das diese beiden Ausnahmetalente nun ein gemeinsames Buch geschrieben haben war für mich der absolute Wahnsinn. Meine Erwartungen waren extrem hoch, doch nun nach dem lesen kann ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht was für ein wundervolles Buch. Ich bin schwer beeindruckt. Wir kennen die Bilder aus dem Fernseher, tausende von Flüchtlingen zusammen gefrecht auf einem kleinen Boot, versuchen sie in ein neues Leben zu starten. Doch was genau treibt diese Menschen dazu sich auf die gefährliche Reise zu begeben? Was erhoffen sie sich? Welche Wünsche und Träume haben sie? Dieses Buch gibt einen bewegenden und emotionalen Einblick in das Leben als Flüchtling. Jule und Asman könnten unterschiedlicher kaum sein. Jule steht kurz vor dem Abi und macht auf der kleinen griechischen Insel Urlaub, sie will entspannen und die wundervolle Natur genießen. Doch dann trifft sie aus Asman, dieser ist aus seiner Heimat geflohen und lebt nun mit einigen anderen im Verborgenen. Eigentlich bestand Asmans Gruppe aus über 100 Leuten, doch dann hatte ihr Boot ein Leck.... Asman versucht sich alleine durch zuschlagen, denn sein eigentliches Ziel ist Schweden, deshalb will er unter keinen Umständen in Griechenland registriert werden. Doch ziemlich schnell merken Jule und Asman das da mehr zwischen ihnen ist. Das ganze wird dadurch jedoch noch schwieriger denn Jule will unbedingt helfen! Was für ein Buch, ich bin auch jetzt nach dem lesen immer noch geflasht. Wieder einmal schafften es die Autoren mich zu fesselnd. Ihr Schreibstil ist einfach wundervoll, er liest sich locker und sehr flüssig, dennoch steckt so viel Herzblut in jedem geschriebenen Wort. Ein Buch über eine Liebe die zum scheitern verurteilt ist, doch das tut sie nicht, die Liebe der beiden wächst an den ganzen Problemen und schweißt die beiden nur noch mehr zusammen. Dieses Buch zeigt deutlich welche Gefahren auf Flüchtlinge lauern, welchen Vorurteilen sie begegnen und das es das Leben nicht immer gut mit ihnen meint. Dieses Buch ist stellenweise schon ziemlich heftig, aber es zeigt nun mal die ungeschönte Wahrheit, und die ist selten schön. Ich denke ihr merkt selbst wie begeistert ich bin deshalb kann ich euch dieses Buch nur ans Herz legen. Klare Empfehlung. Fazit: Mit "Grenzlandtage" ist den beiden Autoren ein besonderes Buch gelungen welches mich tief berührte. Eine berührende Liebesgeschichte vor aktuellem Hintergrund die mich völlig begeistert hat und mit teilweise sogar feuchte Augen bescherte, dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen. Von mir bekommt es die volle Punktzahl.

  • Miss Bookiverse
    2019-01-26 00:36

    3.5 Syrer. Palästina. Israel. Islam. IS. Azad. Araber. Diese Begriffe alle zu verstehen, zu sortieren und zueinander in Beziehung zu setzen, fällt mir alles andere als leicht. Da schafft auch der Roman keine Abhilfe – dafür erzählt er zu wirr – aber er erspart mir ein Gefühl von Dummheit, weil Jule genauso wenig weiß und erst mit dem Recherchieren beginnt. Die Bedrückung über die Situation der Flüchtlinge ist jedoch von Anfang an spürbar. Generell wurde Atmosphäre sehr schillernd eingefangen: Frühling, Wind, erster Urlaub ohne Eltern und eine griechische Insel, auf der es nach Thymian und Meersalz riecht. Nach den ersten 100 Seiten ist es zwar ermüdend wie Jule über die Insel spaziert – mal mit Hund, mal ohne, mal sieht sie einen Flüchtling, dann doch wieder nicht, Brot kaufen, Muschelketten basteln, Brot essen und wieder los spazieren – aber danach fängt sich die Handlung und entwickelt einen mitreißenden Sog.Niemals erwartet hätte ich, mal über Antonia Michaelis’ Schreibstil zu sagen, dass er mich nervt. Aber genau das, was ich sonst an ihren Sätzen liebe, ging mir hier tierisch auf den Keks: diese pathetischen Metaphern, Jules erzwungen quirlige Antworten und SMS. Dazu kommen die überflüssigen Übersetzungen. Es fallen eine Handvoll griechischer Sätze und viele englische, die jedes Mal (egal wie simpel) ins Deutsche übersetzt werden. Im Anschluss wird oft gesagt, dass die Personen Englisch sprechen, der Dialog steht aber auf Deutsch da. Kann man durchaus so lösen, aber die Inkonsequenz hat mich aufgeregt. Dann doch bitte einfach gleich sagen, dass Englisch geredet wird und nur Deutsch schreiben oder wenigstens die Übersetzung weglassen. Wer kein Englisch/Griechisch kann wird schließlich aus dem Kontext schlau. In Verbindung damit ist mir noch das durchweg gebrochene Englisch und Deutsch der Griechen aufgefallen. Ich finde Sätze wie “This our place” (S. 58) klingen immer nach Fantasiefehlern und legen nahe, dass kein Grieche gutes Englisch/Deutsch sprechen kann.Der Großteil der Geschichte wird aus Jules Sicht geschildert. Am Ende jedes ihrer sehr langen Kapitel, gibt es wenige Seiten aus Asmans Perspektive. Ich wünschte diese Gewichtung wäre anders ausgefallen. Asman kommt viel zu kurz. Vielleicht hat sich das Autorenpaar bei der Perspektive eines Flüchtlings und Moslems nicht zu viel Einblick anmaßen wollen, aber meiner Meinung nach hätten mehr von Asmans Gedanken die Story ungemein bereichert und den zeitweise quälenden Fokus von Jule genommen. Eine Liebesgeschichte gibt es auch und obwohl sie Knall auf Fall geschieht, fand ich sie trotzdem angenehm unkitschig geschildert.Nicht Antonia Michaelis’ bestes Werk (vom Stilgefühl her hat sie 80% des Buches geschrieben), aber mal wieder ein brisantes Thema, das sich nach einem holprigen Anfang zu einer spannenden Geschichte entwickelt, die zum Nachdenken und Recherchieren einlädt.

  • Janina
    2019-02-15 00:42

    Wichtig. Wichtig. Wichtig.Ich verstehe jetzt, warum Antonia Michaelis und Peer Martins Bücher gehypt werden - oder ich kann es mir zumindest vorstellen, denn DIESES BUCH IST WUNDERSCHÖN GESCHRIEBEN. Der Schreibstil ist zauberhaft; wie ein Fluss, der dich mitreißt und wenn du realisierst, dass du dich im Wasser befindest, bist du schon längst den gesamten Wasserfall heruntergefallen. (Ich werde immer sehr pseudo-poetisch, wenn mich Sachen begeistern und das ist auch hier der Fall.)In "Grenzlandtage" geht es um Jule, die kurz vor dem Abitur steht und zwei Wochen (Lern-)Urlaub in Griechenland macht und Asman, einem syrischen Flüchtling, der unbeabsichtigt in Griechenland gelandet ist, obwohl sein Ziel ein ganz anderes war. Die beiden treffen sich, einmal, zweimal, dreimal und plötzlich sind sie Teil des Lebens des jeweils anderen; verankern sich ineinander - sie fallen und landen auf Wolke 7.Wie es in Romanen (und im echten Leben) so ist, zieht ein Sturm auf und vertreibt ihre rosa Wolke 7. Missverständnisse, Gefahren und jede Menge auftauchende Probleme mischen sich zu einer großen Suppe zusammen und machen den beiden das Leben schwer. Flüchtlinge. Ein Thema, das zwischenzeitlich groß in Zeitungen und Fernsehen aufgezeigt wurde und dann irgendwie in den Schatten geraten ist, obwohl es immer noch hochaktuell ist. Der Liebesgeschichten-Aspekt war für mich wohl der uninteressanteste - komischerweise - obwohl ich zu 100% verstehen und befürworten kann, dass dieser eingebaut wurde, um die größeren Massen anzusprechen. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass die Romanze im gewissen Maße als Mittel zum Zweck dient, um das ernste und sehr wichtige (und aktuelle) Thema um die Flüchtlinge näher an den Menschen zu bringen - und das schafft es auch. Traurig, aber wahr: ein erzähltes Schicksal eines einzelnen Menschen wirkt mehr als tausend unbekannte und manchmal muss man Schmerz und Leid vermarkten, damit er überhaupt gehört wird."Grenzlandtage" hat mich teilweise berührt, teilweise bereichert und teilweise beklemmt. Die Umgebung, Griechenland, wirkt wie ein Zauberland und gleichzeitig sehr echt und real - ein Mix zwischen dem wahren Erscheinen des Ortes, wenn man auf Reisen ist und dem wundersamen Gefühl, das man sich in einer anderen Welt aufhält. Am Anfang war ich sehr fasziniert, da die gesamte Insel und ihre Bewohner und die Wirkung der Wörter mich in ihren Bann gezogen hat. Als die Verliebtheit von Jule immer mehr in den Vordergrund gerückt ist, habe ich mit dem Lesen für ein paar Tage gestockt, da ich ängstlich gegenüber dem weiteren Verlauf der Geschichte gestimmt war. Es ist schwer direkt zu sagen "Das ist der richtige Weg!", wenn es zu diesem komplizierten Thema kommt: Flüchtlinge helfen zu wollen. Jule hat sich, meiner Meinung nach, oft sehr problematisch verhalten oder zumindest fraglich - verständlich, da ihre Gefühle im Spiel waren - teilweise aber auch naiv und von ihren eigenen Ansichten geblendet - was nicht unbedingt als Kritikpunkt für den Roman gemeint ist, da ich das relativ realistisch fand. Ich möchte nicht genau ins Detail gehen (um nicht zu spoilern), aber ihr Standpunkt ist durchaus nachvollziehbar - nur nicht wie ich wahrscheinlich in ihrer Situation gehandelt hätte. Wahrscheinlich. Es ist immer schwer einzuschätzen, wie man sich verhalten würde, wenn es zu einer Extremsituation kommen würde. Der Titel "Grenzlandtage" ist gut gewählt, denn Grenze ist da ein interessantes Stichwort. Wo zieht man die Grenze? Wen lässt man nach Italien, Deutschland, Schweden, in welches Land auch immer und wen lässt man zurück? Und wenn diese Fragen auftauchen, kommen auch noch andere dazu. Wie hilft man am besten? Gibt es einen richtigen Weg, um zu helfen und einen falschen? Ist helfen immer helfen oder macht man damit manchmal alles nur noch viel schlimmer? Wer sind wir, um zu entscheiden, wer leben darf und wer nicht? Wer sind wir, die Menschen zu verurteilen, die verschmäht wurden und dadurch härtere Bandagen anlegen, um zu überleben? Und wer ist überhaupt dieses omnipotente "wir" von dem ich rede? Fragen um Fragen und keine Antworten in Sicht. Das Buch greift diese Gedanken, die einem beim Lesen durch den Kopf gehen, gut auf und wird hoffentlich ein paar Menschen die Augen öffnen und ihren Horizont erweitern. Dass bei diesem Roman ein Autorenduo am Start war, hätte ich vom Schreibstil her nie gedacht. Die Übergänge waren flüssig und 'Jules Stimme' hat sich für mich immer gleich angehört. Großes Kompliment dafür! Ich werde bestimmt weitere Bücher der Autoren zur Hand nehmen. Ich hadere mit der Punktevergabe bei diesem Buch, es zu bewerten fällt mir besonders schwer. Einen Stern gibt es auf jeden Fall für die Sprachgewalt, einen zweiten für den wichtigen Plot. Den dritten für das Ort des Geschehens und der realistischen Vorgeschichte von Asman und seiner Gruppe von Flüchtlingen. Schon alleine dafür, dass all diese tausend unbekannten Schicksale, die wahrscheinlich nie erzählt werden, es verdient hätten, gibt es einen vierten Stern. Ich kann einfach nicht weniger als vier Sterne geben - was ich auch nicht kann, ist auf eine Stelle im Buch zeigen und sagen "Das! Das ist es, was mich davon abhält 5 Sternen zu geben!", aber irgendetwas fehlt für mich. Schlussendlich kann ich nur sagen: Ich bin froh, dass dieses Buch existiert. Weil es wichtig ist. Und aktuell. Und man sich grundsätzlich mit wichtigen aktuellen Dingen beschäftigen sollte. (Und auch mit wichtigen vergangenen Dingen, aber das ist eine andere Geschichte.)